Was Blinde so manchmal alles erleben...
An alle, die sich an prinzipiell traurigen Begebenheiten auch
erheitern koennen :
Ich bin Student in Wien, 27, mittelgross und schlank, und beinahe
blind. Auf einem Auge sehe ich gar nichts und auf dem anderen nur sehr
wenig (Netzhauterkrankung).
Sowohl von Koerpergroesse, Koerperbau und auch von den Bewegungen her
sehe ich mit Sicherheit auf den ersten Blick aus, wie ein ganz
normaler durchschnittlicher Mensch, der eben schlecht sieht.
Gestern abend fahre ich in Wien mit der U6 von Alt Erlaa zu der
Alserstrasse. In Meidling steigt eine Frau zu und setzt sich neben
mich. Von dem, was ich mit meinem geringen Sehvermoegen beurteilen
kann, glaube ich, dass sie gross, schlank, jung und huegsch war ;-)
Der U-Bahn Vaggon war recht voll, und ich dachte mir nichts dabei.
Kurz nach der Station Gumpendorferstrasse zueckt das gute Maedel
ploetzlich ihre Geldboerse und drueckt mir eine oe.S. 100,- Note in
die Hand, mit den determinierten Worten "Das ist fuer Sei!"
Ehe ich noch etwas drauf sagen konnte, stand sie auf und stellte sich
zum naechsten Ausstieg, wo sie noch 3 oder 4 Stationen lang (!) stehen
blieb, und nicht ausgestiegen ist.
Was soll man davon halten?
cu, und "heitere Sozialstudien" !
Roland
Roland Schweiger
E-Mail : a9026318@unet.univie.ac.at
Newsgroups: at.blackbox.behinderte
Subject: Was Blinde so manchmal alles erleben...
Date: Sat, 01 Feb 1997 13:10:34 GMT
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