Hans Mohl starb kurz vor seinem 70. Geburtstag
Von Inge Treichel
Hans Mohl war der Pionier der populären
Gesundheitsaufklärung im Fernsehen: Der
Journalist gründete das seit 1964 laufende
"Gesundheitsmagazin Praxis" des ZDF und
ermunterte 30 Jahre lang die Zuschauer mit
einprägsamen Kampagnen zu gesundem
Verhalten. Mohl war auch Initiator der
Aktion Sorgenkind, die bisher mehr als zwei
Milliarden Mark für die Behindertenhilfe
erbracht hat. Am Montag wäre Mohl 70 Jahre
geworden; er starb am Samstag in Mainz,
teilte das ZDF mit.
Der aus Kiel stammende Journalist hatte
seine Rundfunklaufbahn 1953 nach dem
Studium in Tübingen beim Südwestfunk
begonnen. Seine damalige Dokumentation über
Unfallhilfe unter dem Titel "Sie könnten
noch leben" bezeichnete er als
entscheidenden Wendepunkt seiner Arbeit.
Denn sie habe ihm "gezeigt, wieviel mehr
Wirkung ein Journalist durch konkrete
Lebenshilfe als durch große zeitkritische
Dokumentationen haben kann". Ersetzte
dieses Leitmotiv um, als ihn das gerade
gegründete ZDF 1963 zum Leiter der
Redaktion Gesundheit und Natur rief.
In 375 Ausgaben des "Gesundheitsmagazins
Praxis" machte Mohl zum Beispiel die
Trimm-dich-Aktion populär, warb für Erste
Hilfe oder warnte vor den schädlichen
Folgen des Rauchens. Mit seiner
freundlichen, manchmal väterlich-gütig
wirkenden Art gewann er Sympathien und
Vertrauen der Zuschauer. Das Magazin
erzielte in Spitzenzeiten Einschaltquoten
von mehr als 40 Prozent.
Mohls wohl erfolgreichste Idee war die
Aktion Sorgenkind. Am 9. Oktober 1964 hatte
er nach der Peter-Frankenfeld-Show
"Vergißmeinnicht" zum ersten Mal zu Spenden
für die Behindertenhilfe aufgerufen. Ein
Anstoß dazu war der Contergan-Skandal.
Mitte der sechziger Jahre waren viele
Kinder mit Mißbildungen geboren worden, die
auf das Schlafmittel Contergan
zurückgingen. Am Ende seiner Fernsehzeit
Ende 1993 zog Mohl eine "mehr als
befriedigende Bilanz": "Hier haben sich
Journalistenträume erfüllt, die erst durch
das Fernsehen eine so breite Wirkungen
haben konnten", sagte er.
ZDF-Intendant Dieter Stolte würdigte Mohl
am Montag als einen Journalisten von großer
Kreativität und Seriosität, der sich stets
für die vom Leben Benachteiligten
eingesetzt habe. Programmdirektor Markus
Schächter bezeichnete Mohl als
"medizinischen Aufklärer und
Menschenfreund", der es verstanden habe,
die Rechte der Patienten zu stärken und
dank seines konsequenten Einsatzes für die
Vorsorge einen wesentlichen Beitrag zur
Gesundheitsförderung und
Gesundheitserziehung in Deutschland zu
leisten.
Copyright Frankfurter Rundschau 1998 Erscheinungsdatum 01.12.1998