Nach meinem ersten Beitrag zur Orientierung im Internet
bekam ich von verschiedenen Seiten Hinweise auf neue Internet-Adressen,
und viele Seiten enthalten weitere Hinweise - so kommt eines zum
anderen...
Eine ganze Reihe von Verbänden ist in den letzten
Wochen ans Netz gegangen, doch mehr als ein Dutzend Seiten hat
kaum einer zu bieten - Titelblatt und Inhaltsverzeichnis der aktuellen
Mitgliederzeitschrift, noch ein paar Spezialitäten, fertig.
Und mangels entsprechender Aufmerksamkeit von Medien wie der TVtoday
kennt kaum jemand außer den Lesern der Vereinspostillen
diese Adressen.
Da schlagen sich auch heute noch die Angebote der
"Freaks", die Behinderten-Websites ohne Vorstand oder
Budget erstellen, noch ganz gut - ein Beispiel ist Heino Ehlers
"Lädiert", ein Behindertenblättchen,
früher auf Papier, heute nur noch als elektronisches Magazin
(http://members.aol.com/laediert96/index2.htm), das mit Hannoveraner
Lokalkolorit und streitbarer Diskussion glänzt.
Typisch finde ich, daß ich den Hinweis auf
die Muskelkranken-Homepage eher zufällig fand: in einer Newsgroup,
wo ein Teilnehmer zwar keine URL für Hörbehinderte wußte,
aber eben die der DGM.
Die Website der DGM - Muskelkranke (http://weka.w.rpr-cologne.de) ist interessant gemacht, relativ aufwendig gestaltet - aber bei lichte betrachtet auch nur das übliche: ein paar Verbandshinweise, einige Infos. Initiatorin ist das DGM-Mitglied Elke Kirschnick, sie arbeitet bei der Rhône-Poulenc Rorer Arzneimittel GmbH in Köln und ist teilweise für diese Homepage freigestellt.
Auffällig: sehr medizinisch orientierte Themen und Links. Nett gemacht: das "Crossing"-System, mit dem zu Newsgroups und Homepages von DGM-Mitgliedern klicken kann.
Hilfreich auch das Infomaterial, das ein bißchen untergeht zwischen den anderen Stichworten des Frame-Index.
Sympathisch wird zwischendurch das englische "Homepage"
mit "Heimatseiten" eingedeutscht (wer hat Angst vorm
Computer-Slang?), trauriger ist, daß die Website der DGM
ihre Qualitäten ziemlich konsequent versteckt - wer würde
hinter einem Menüpunkt "Patientenhandbuch - in Arbeit"
u.v.a. auch Hinweise zur Verordnung von Aufrichterollstühlen
vermuten?
Und wer würde vermuten, daß hinter dem
Link zu einem Mitglied brauchbare Informationen für Behinderte
in Sachsen und vor allem für Sachsen-Besucher versteckt sind?
Drei Stadtführer gibt es in Sachsen (Leipzig, Chemnitz und
Dresden), sie sind mit Bestell-Adresse aufgeführt, und zum
Leipziger Behindertenverband gibt es ein Link.(http://weka.w.rpr-cologne.de/users/elke%20Kirschnick/index.htm#beh.
Sachsen-Besucher)
Auf der Verweis-Liste von Reha-Net stieß ich auf DÜMAB (http://ourworld.compuserve.com/homepages/Duemab/) - versprochen wird unter dieser Adresse ein Stadtführer für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer.
Dabei ist DÜMAB nur eine Hamburger Firma, die
eine Software zur Erstellung von Stadtführern anbietet -
aber leider schaffen sie es nicht einmal, eine Referenzliste (angeblich
wird DÜMAB gegenwärtig in 34 Städten eingesetzt)
der mit ihrem Programm erstellten und verfügbaren Stadtführer
ins Netz zu stellen. Doch das ist angekündigt als "Projekt"
- für den Fall, daß die EG zahlt. Thomas Wohlleben
als Projektorganisator hätte seine Homepage eher als "Angebot"
ankündigen sollen, und seine Links sind auch nicht gerade
wohltuend - abgesehen von der 750. Liste der Suchmaschinen beschränkt
er sich auf einen Kunden: den VdK Bayern.
Eine schöne Idee stellte Roland Zährl Anfang April in der Newsgroup cl.behindert.allgemein vor: eine Mitwohnzentrale für Rollstuhlfahrer zu organisieren. In einer Mitteilung wurde sie Anfang April vorgestellt:
"Mitwohnzentrale fuer Rollstuhlfahrer/innen! - http://rummelplatz.uni-mannheim.de/~thomasv/homepage.htm
Besucht doch mal meine Homepage - Gruss Roland"
Ein Computer, ne Datenbank und ein Internet-Anschluß:
ideale Bedingungen. Doch leider verlangt die Agentur happige
Vermittlungsgebühren, ohne auch nur einen Anhaltspunkt zum
bisherigen Umfang des Angebots zu machen. Trotzdem eine interessante
Idee. Ich drücke ihm die Daumen, und vielleicht überprüft
er die Tarife seiner Agentur noch einmal..("Roland Zährl"
<thomasv@rumms.uni-mannheim.de>
Bei der MS-Gesellschaft (DMSG) sponsort die
Pharma-Industrie (Schering), und auf den ersten Blick ist das
eine schnörkellose Sache, die nützliche Elemente des
Internet nutzt. Der dicke Hund ist etwas tiefer begraben: statt
professionell Datenstrukturen aufzubauen und diese im Netz behinderten
Menschen zur Verfügung zu stellen, müssen Interessenten
zahlen - Nicht-Mitglieder 60,-, Mitglieder 20,- im Jahr. Ob damit
spürbare Einnahmen zu erzielen sind, mag dahingestellt bleiben;
Freunde schafft sich die DMSG (www.dmsg.de) damit nicht
Das Web wächst, und Informationsbedürfnis der neugierigen Newcomer wird mit diversen Büchern und Zeitschriften beantwortet. So hat die Zeitschrift "TV Today" ihre zweite "Online"-Ausgabe (Heft 2/97, DM 5,-) veröffentlicht - 128 Seiten Netz-Adressen, Rezensionen und Erläuterungen. Das Heft ist gut gegliedert und strukturiert, die Adressenliste kann auch als Link-Sammlung online studiert (und auf den eigenen Rechner heruntergeladen werden. Adresse: http://www.tvtoday.de - im Editorial wird versprochen, daß künftig von der Redaktion auf "lycos.de" eine ständige "Web-Review" präsentiert werde.
Bemerkenswert sind die vielen Links zu Angeboten, die einfach praktisch sind - von der Telefonauskunft (www.teleauskunft1188.de) über diverse Behörden und Versandhäuser bis zu einer langen Liste von Reiseanbietern.
Doch in keinem einzigen dieser Links wird informiert, ob z.B. die Städtereisen-Information über Wien oder Barcelona irgendwelche Hinweise für behinderte Menschen enthalten, nicht einmal bei der TUI (www.tui.de) ist klar, ob die (hoffentlich existenten) Reiseinfos für behinderte Urlauber auch online zu finden sind.
Ganz zu schweigen von Verweisen auf spezielle Behindertenserver, von denen es doch endlich auch eine wachsende Zahl auf Deutsch gibt. Absolute Fehlanzeige!
Es gibt zwar ein Kapitel "körper&seele",
auf dessen zwei Seiten auch ein paar "Gesundheits"-Links
sind - doch nicht einmal da kommt Behinderung vor. Dabei ließen
sich allein mit den interessanteren Web-Adressen für behinderte
Menschen auf Deutsch lässig zwei Seiten füllen.
Während das Web brummt und "coole"
Sites wenig Inhalt aber immer mehr schrillen Schnickschnack bieten,
während Werbemultis ganze Abteilungen für elektronische
Milka und Camels beschäftigen, herrscht bei den meisten Anbietern
des Hilfsmittelmarkts noch Tiefschlaf - von mehr oder weniger
gelungenen Ausnahmen abgesehen. Gut aufgebaut ist die Produktpräsentation
von mfh ("artosy" - www.mfh.de), auch wenn natürlich
die Verweise auf Behindertenverbände ohne Links (also bloß
mit Post-Adressen) anachronistisch sind.
Schade finde ich, wenn gute Produkte einer engagierten
kleinen Firma regelrecht auf Webseiten "geklatscht"
werden - aber ich finde keine positivere Beurteilung für
die Website von DraisinFun (http://members.aol.com/draisinfun/);
denn es ist schlicht eine Zumutung, zwei Katalogseiten einzuscannen
und als A4-Grafik durchs Internet zu quälen. Dabei wird von
den engagierten Mitarbeitern nicht nur ein breites Sortiment von
Fahrrädern und ähnlichen Geräten angeboten, sondern
auch Unterstützung bei u.U. unvermeidlichen Auseinandersetzungen
mit den Kostenträgern.
Ach ja - offizielle Stellen sind inzwischen natürlich
auch online, vom Bundesminsterium f. Arbeit (www.bma.de)
über Seehofers Gesundheitsministerium (www.bmgesundheit.de)
bis zu Parlament und Government... alle sind im Intenet, und bei
einigen können wir uns die neuesten Verlautbarungen über
geplante Kürzungen im Sozialbereich anschauen oder die verschlechterten
Gesetze gleich nach ihrer Verabschiedung. Immerhin recht präzise:
die Fakten zu den seit 1.4. geltenden Ändeurngen am AFG.
Und beim BMA gibt es eine Seite "Gesetze", von der eine
ganze Reihe von Gesetzestexten (als *.zip-Dateien) heruntergeladen
werden können.
Etwas mager ist das Angebot der Bundesanstalt
für Arbeit (www.arbeitsamt.de) ausgefallen - so wird
zwar die ZAV genannt, aber online gibt es die Vermittlungsstelle
für schwerbehinderte Akademiker (die zentral bei der ZAV
in Frankfurt sitzt) nicht. Wieder mal nur ein Mainstream-Angebot?!
Da es ja bei den Rechtsansprüchen behinderter
Menschen immer mehr bergab geht, hilft vielleicht ein Seitenblick
zur Aktion Sorgenkind (www.aktion-sorgenkind.de). Im Prinzip
ist das wieder die "Bilanz der Guten Taten", wenn auch
inzwischen gelegentlich beinahe bürgerrechtlerische Elemente
aufgegriffen werden - da ist doch tatsächlich ein Aufkleber
("DANKE! Ihre Rollstuhlfahrer") im Angebot, mit dem
besonders behindertenfeindliche Treppen garniert werden können!
Ob damit allerdings der Anspruch einer "Aktion Grundgesetz"
eingelöst wird, stehe auf einem anderen Blatt - "Bordstein
ist Mordstein" war schon vor 20 Jahren fetziger... (aktion-sorgenkind.de/umsetzun.htm)
Weitere Adressen seien hier nur kurz genannt:
-sbb.aok.de - Eine "Stiftung Betriebs-Betreuung" mit Material zum Sozialversicherungsrecht, Datenbank und Möglichkeit, das Material als CD zu abonnieren
- www.social.de - ein Server, ebenfalls mit Datenbank, auf dem u.a. die BAG der Freien Wohlfahrtspflege residiert und die "Blätter der Wohlfahrtspflege" aufgelegt sind.
- www.lebenshilfe.de - reelles Angebot, mit Informations- und Rechtsdienst der Lebenshilfe.
- www.vdk.bayern.de - auch dies eine solide Verbands-Seite
ohne allzugroßen Schnickschnack.
Hannes Heiler