Inzwischen benutzen nicht nur viele behinderte Menschen das Internet - auch die Inhalte im Netz werden mehr und manchmal auch fundierter. Während Experten anderer Themenbereiche schon schwärmen, das Internet sei die beste und größte Enzyklopädie (sofern man die Sites zum interessierenden Thema denn findet), halte ich das für Themen rund um "Behinderung" noch für etwas gewagt. Aber interessante Informationen sind allemal drin - auch in deutscher Sprache.
Als erstes wieder die Rückblende. Draisin, der Dreiradhersteller, hat inzwischen seine Homepage überarbeitet und die Grafiken in "verdauliche" Größe zerlegt. Auch sonst kann sich die Strukturierung inzwischen sehen lassen, der Informationsgehalt liegt jedenfalls deutlich überm Durchschnitt.
Leider nicht behaupten kann man das von Rolli-Moden. Eine grafisch aufgemotzte Einstiegsseite, aber unterm Strich beschränkt sich die Sache auf ein bißchen Selbstdarstellung und die Möglichkeit, einen Katalog anzufordern. Konkrete Klamotten aussuchen? Fehlanzeige! Schade eigentlich....
Den Vogel abgeschossen hat in meinen Augen Otto Bock: ein großer, internationaler Konzern, der hierzulande jede Menge Rollstühle produziert - aber die Site ist nur auf Englisch und beschränkt sich auf die (zugegeben: umfangreiche) Darstellung künstlicher Gliedmaßen. Rollstühle sind jedenfalls unter www.ottobock.com nicht zu finden, und auch eine deutsche Fassung haben schon deutlich kleinere Anbieter zustande gebracht.
Richtig nett fand ich dagegen den Hinweis
von Joachim Kunath in der Newsgroup maus.soc.handicap auf "Blockflöten
für Behinderte und Blinde" - Mollenhauer ist ein renommierter
Hersteller von Musikinstrumenten, und
unter anderem bieten sie eben auch
Sondermechaniken an.
Als ich kürzlich mal wieder zum Thema "Schmerz"
recherchierte, befragte ich gleich wieder zwei Such-Maschinen
(in diesem Fall Yahoo.de und AltaVista), und ich bekam einen Schwall
an Links zurück. Natürlich mußte ich erst einmal
Mehrfachnennungen und Irrläufer aussortieren (Suchmaschinen
sind nun mal relativ dumm), aber auch dann blieb noch eine respektable
Anzahl wirklich umfangreicher Quellen, und einige sehr gute Adressen
fand ich in den Verweisen der besuchten Sites.
Die einfachsten Schmerzmittel sind nach wie vor ASS ("Aspirin") und Paracetamol. Wer sich für die Funktion dieser einfachen Mittel interessiert, findet unter Togal-Werk München Informationen über diese Substanzen und ihre Anwendungsgebiete.
Doch gemeint ist meist nicht der momentane Schmerz, sondern dauerhafte, chronische Schmerzen. Hierfür ist Painweb eine "erste Adresse" - ein sehr umfangreiches Informationsangebot, das u.a. die Materialien des "Schmerztherapeutischen Kolloquiums" sowie des "Deutschen Schmerztages" online hat.
Umso überraschender, daß die Internet-Adresse "http://www.stk-ev.de" zwar existiert und von "Yahoo" auch angezeigt wird - aber leider existiert diese Homepage erst als "Baustelle".
Etwas kleiner, aber inhaltlich wie auch optisch sehr empfehlenswert: die Homepage des Wiesbadener Schmerzarztes Dr. Nolte.
Schmerz laß nach - Moderne Schmerzbehandlung kann Ihrem Leben wieder neue Perspektiven geben. Das Schmerzforum am KKH Emmendingen.
Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft
http://www.freiburg.netsurf.de/homepages/hebel/ Schmerztherapie - Informationsseite für Schmerzpatienten, aber auch Diskussionsforum für Schmerztherapeuten.
http://home.t-online.de/home/w.haeuser/ Psychotherapien bei entzündlichen Darmerkrankungen, chronischen Schmerzsyndromen und Panikstörungen, sowie Wissenswertes über die psychische Bewältigung extremer Ausdauerbelastungen.
http://home.t-online.de/home/neugebau/index2~2.htm - Dr. Neugebauer - über die Familie, die Meerschweinchen und die Möglichkeiten einer Schmerztherapie.
- http://online.via.at/vianet/hot/neu.html" Vianet - Project Schmerzlos: Eine Studie über Schmerz und Musik.
http://www.bg-dvr.de/FAKTEN/DMS/dms41.htm Schmerzmittel (Analgetika), Drogen und Medikamente im Straßenverkehr 4 Beeinträchtigungen durch Medikamente im Straßenverkehr.
http://www.vbketsch.de/gesund18.html" Chronische Schmerzkrankheiten. Schmerz - die körpereigene Alarmanlage. Schmerzen sind ein Teil des Lebens; vorwiegend als Begleiterscheinung einer Verletzung empfunden...
- http://www.psychologie.uni-bonn.de/kap/for/klin/pain/pd1.htm - Was leisten Schmerztagebuecher?
- http://www.psychologie.uni-bonn.de/kap/for/klin/pain/ebst/ebst.htm EBST - Vorstellung und erste Validierungergebnisse - das Elektronische Bonner Schmerztagebuch.
Weitere Verweise sind relativ gut in deutschen Suchmaschinen
zu finden - übrigens mit dem Stichwort "Schmerztherapie"
gezielter als mit "Schmerz" (das gilt übrigens
bei allen Abfragen: je präziser der Suchbegriff, desto passender
die Rückmeldung.
HARTMANN WundForum online
Wundversorgung ist ein Problem, und für behinderte
Menschen sind Decubiti oder auch Verbrennungen schnell eingefangen
- aber viel schlechter wieder loszuwerden. Hinzu kommt, daß
jeder zweite Arzt eine andere Methode anwendet, und nicht selten
steht der Patient im Nebel, hat keine Ahnung, was und vor allem
warum da gemacht wird. Sicher - jede(r) hat da so ein Geheimrezept,
aber das hat meist mehr mit Erfahrungen zu tun, selten mit Über-
oder gar Durchblick. Wirklich hilfreich ist da die WebSite der
Verbandsfirma Hartmann mit ihrem "WundForum" - hier
werden die verschiedenen (sowohl die klassischen Salben- wie auch
die diversen modernen "interaktiven") Wundverbände
detailliert geschildert und das Funktionsprinzip erläutert,
sodaß auch interessierte Nicht-Mediziner etwas damit anfangen
können. Informationen - erst recht von einem Hersteller -
dieser Qualität würde ich mir öfter wünschen!
Kostprobe gefällig? ERFASSUNGSSCHEMA ZUR DEKUBITUSBEURTEILUNG.
Eine kleine Warnung für sensible LeserInnen: die Abbildungen
der diversen Wunden sind nichts für schwache Nerven!
DIAS ("Daten, Informationssysteme und Analysen im Sozialen" (http://www.dias.de) ist ein Server in Hamburg, auf dem diverse Projekte vorgestellt werden. Auf den ersten Blick klingt alles ganz toll: da gibt es Rehadat, Informationssystem deutscher Stadtführer für Behinderte, Telearbeit...
Für einen abstrakten Überblick mag es ganz nett sein, doch fast durchgängig ist das Problem: die eigentliche Information gibt es nicht online. Natürlich ist es einfacher eine Presseerklärung auch ins Internet zu stellen, als die präsentierten "Modellprojekte" tatsächlich zugänglich zu machen. Ärgerlich wird das, wenn so etwas mit EU-Geldern gesponsort ist: wenigstens dann sollte der einzelne Besucher einer solchen WebSite, zu dessen Nutzen angeblich das schöne Geld überwiesen worden war, auch Antworten auf seine Fragen finden. Stattdessen erfährt der Benutzer hier nur die Bezugsquellen für die Antworten. Schade.
Am brauchbarsten scheint immer noch die Liste der Stadtführer in der Bundesrepublik, doch schon bei den Verweisen auf "Stadtinformationen" bietet das Beispiel Wiesbaden unter "Informationen für Behinderte" nur die Adresse des Verkehrsbüros Wiesbaden sowie des Sozialamtes, wo es die gedruckte Version des Stadtführers gibt.(http://www.wiesbaden.deutsch.de/A-Z.html).
Da knurrt der Surfer und denkt sich: das war ne Fehlinvestition, liebe EU! Denn dieser Server gaukelt wieder einmal mehr vor, als drinsteckt.
Kurz vor Fertigstellung dieses Beitrags stellte MOVADO in Berlin übrigens eine Internet-Datenbank vor, die zeigt, wie es besser zu machen ist: http://www.icf.de/Movado
Auch die DIAS-Unterabteilung "Teamnet" (TeamNet steht für: Teleemployment Access Methodology through new Technology) klingt verheissungsvoll, scheint es doch - analog zur "Jobline" der Stiftung Blindenstudienanstalt in Frankfurt - spezielle Jobs für behinderte Menschen zu bieten. Aber ach, weit gefehlt: hier geht es nur wieder um eine EU-Untersuchung über solche Jobs, ohne konkrete Hilfestellungen!
Die Blindenstudienanstalt plant wenigstens,
die Stellenangebote für blinde und sehbehinderte Arbeitssuchende
ins Netz zu stellen. (http://www.rz.uni-frankfurt.de/~sbaas/medien.html#Jobline)
Vorbildlich hat übrigens die Messe
Frankfurt (Buchmesse, IAA, nächstes Jahr auch REHAB) die
Information über das Messegelände, über Zugänge
und Behinderten-WC gemacht:
http://www.messefrankfurt.de/behinderte/behindert.html">
Informationen sind manches Mal auf Umwegen zu bekommen:
Spätestens wenn ich bei den Suchergebnissen einen interessanten
Verein oder ein Online-Magazin sehe, schau ich mir deren Links
an - die sind oft eine richtige Fundgrube. So auch bei KAKON's
Homepage (http://www.inx.de/~kakon/rollbe.html), wo ganz unvermutet
die Online-Adresse von Rolli-Moden steht! (http://www.rolli-moden.de).
Immerhin ist das eine klar gegliederte Seite; Manfred Sauer und
seine Mitarbeiter erklären, was man sich gedacht hat bei
der Kleidung, die im Sitzen sitzen muß. Doch kein einziges
Produkt wird gezeigt - immerhin kann man den aktuellen Katalog
per E-mail bestellen. Mit den Informationsmöglichkeiten des
Internet hat das (noch) nicht sehr viel zu tun!
Mitte September ging BM-Online ans Netz, und dort werde ich unter anderem auch diese Artikel
online stellen sowie weitere kommentierte Links. Das macht ja
gerade den Nutzen des "Internet-Surfens" aus, daß
man nicht ständig irgendwelche Fundstellen auf Zetteln notieren
muß (die man dann doch wieder verschlampt), sondern an einer
Adresse eine Seite aufruft und von dieser zu den gewünschten
Internet-Angeboten clickt. Genau so sollte Surfen sein!
Hannes Heiler
HHeiler@aol.com