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Frankfurter Buchmesse '99 - Gastland Ungarn |
Zoltan Zemlenyi
HOPPARESIMI !
Aus dem Ungarischen von Gizella und Sandra Hemmer
Das Buch stammt aus der Feder von Zoltan
Zemlenyi, dem zur Zeit wohl bekanntesten
und populärsten jungen Schriftsteller in Ungarn
HOPPARESIMI ! erschien
1987 in erster Auflage. Der damals 15jährige Autor hatte
zuvor einen Vcrkehrsunfall erlitten und war schädel-hirnverletzt.
Während des ersten Jahres seiner Genesung begann er, eine
Art Tagebuch zu schreiben, das nicht nur seine Rekonvaleszenz
dokumentiert, sondern auch seine persönlichen Erlebnisse
und Erfahrungen enthält. Dabei läßt er es weder
an Witz noch an zum Nachdenken Anregendem fehlen.
Mannheim, 6. April 1999
Der Autor
Ich war kein besonders guter Schüler, mußte
auch mancherlei Mißerfolg hinnehmen, aber alles in allem
hatte ich eine glückliche Kindheit.
Und dann kam der Bruch! Am 7. März 1985, im
Alter von knapp 15 Jahren, wurde ich von einem Auto überfahren.
Nach dreißig Tagen Koma begann ein monatelang dauernder,
qualvoller, hoffnungslos erscheinender Kampf zunächst ums
Überleben, darin um stete Genesung und Besserung meines Zustandes.
In dieser Zeit begann ich, auf einer ausrangierten
Schreibmaschine die Ereignisse, die sich zutrugen, mit dem einzigen
Finger, den ich bewegen konnte, mit meinem linken Zeigefinger,
niederzuschreiben - zu etwas anderem war ich nicht fähig:
Ich saß im Rollstuhl, dazu verdammt, stumm und gelähmt
zu sein. Themen hatte ich zur Genüge: Die Mehrzahl meiner
alten Freunde blieb mir fern, kam überhaupt nicht mehr zu
mir. Meine Eltern standen zu mir, aber alle, die im Krankenhaus
um mich herum waren, betrachteten und behandelten mich - mit der
einem Hirngeschädigten gebührenden Art, ziemlich von
oben herab - wie einen Idioten. Ich konnte nicht antworten, da
meine Lippen bzw. die zum Sprechen unentbehrlichen Muskeln vollkommen
verkrampft waren. Das ist eigentlich - zumindest teilweise - heute
noch so.
Das Schreiben war für mich eine Art Aufbäumen,
Aufstand und Revolte sowie der Versuch, auch andere aufzurütteln.
Ich wollte mit aller Macht beweisen, daß ich kein Geistesgestörter
bin. Der Papierberg wuchs, da las ein mit meiner Familie befreundeter
Schriftsteller das Manuskript durch und schlug vor, das Tagebuch
zu veröffentlichen. Dieser Tag wurde zum Wendepunkt in meinem
Leben. All das bis dahin mir sinnlos erschienene Leid bekam plötzlich
einen Sinn. Ich verspürte endlich wieder Stolz - wie etwa,
als ich im Sommer 1983 viermal auf dem Siegertreppchen stand und
die Goldmedaille umgehängt bekam.
Mein erstes Buch mit dem Titel ,,Hopparesimi"
war im November 1987 der große Bucherfolg in Ungarn. Zu
diesem Zeitpunkt besuchte ich gerade die erste Klasse des Gymnasiums
im Institut für Bewegungsgeschädigte. ( Das
ungarische Schulsystem gliedert sich in 8 Jahre Grundschule und
4 Jahre Gymnasium - Anm. d. Übers.)
Die Zeitungen sowie die Rundfunk und Fernsehanstalten
berichteten fast wöchentlich über mich ich wurde im
ganzen Land bekannt. Sämtliche 68.500 ,,Hopparesimi"-Exemplare
waren innerhalb weniger Wochen restlos vergriffen. Danach wurde
das Buch auf dem "Schwarzmarkt" für ein Vielfaches
gehandelt.
1988 stieg meine Erfolgskurve weiter an. Ich bekam
täglich 60-70 Leserbriefe, gab Signierstunden, Jugendzeitungen
und -zeitschriften baten mich um meine Mitarbeit. Im Rahmen meiner
Autoren-Lesungen, die für mich organisiert wurden und die
mich durch das ganze Land führten, hatte ich die Gelegenheit,
viele Schulen zu besuchen und auch dort Diskussionsrunden zu führen.
Im Frühjahr 1988 diente mein Buch als Vorlage
für einen Fernsehfilm. Dafür erhielt ich den "Niveau-Preis"
- die höchste Auszeichnung für einen Künstler/Schriftsteller
auf dem Gebiet der Literatur, Theater- und Filmkunst in Ungarn.
Kurz darauf wurde ich im Parlament mit dem "Jugendpreis"
ausgezeichnet.
Mein zweiter Band mit dem Titel "Ausgestoßen" (1989) schildert in erster Linie die Möglichkeiten
bzw. Unmöglichkeiten der Integration im Alltag. Eine erneute
Revolte: Auch ich habe das Recht auf ein normales Leben, auch
mir stehen Freundschaft und Liebe zu. ,,Ausgestoßen"
ist ein viel ,,reiferes Werk".
Im Frühjahr 1990 absolvierte ich ein Training
zur Persönlichkeitsentwicklung, aufgrund dessen ich ein neues
Buch zu schreiben begann. Noch im Jahre 1990 bestand ich die Abiturprüfling
mit großem Erfolg. Im selben Jahr war die Uraufführung
des Theaterstückes "Hopparesimi!" im Madach-Kamara-Theater,
mit Zoltan Temyak, einem hochbegabtem Schauspieler, in der Hauptrolle.
Das Drehbuch schrieb der namhafte Schriftsteller Gabor Meszöly,
der bei meinen beiden Büchern die ,,literarische Redaktion"
übernommen hatte. Das Theaterstück wurde ein Bombenerfolg,
es stand mehrere Jahre auf dem Programm (!) - dies brachte erneut
Fernsehauftritte, Interviews, Zeitungsberichte und Autoren-Lesungen
mit sich.
Von 1990 bis 1996 habe ich bei einer Firma im EDV-Bereich
gearbeitet. Gleichzeitig begann ich, als Journalist tätig
zu werden.
1992 wurde das Theaterstück durch eine Fernsehaufzeichnung
dem Fernsehpublikum zugänglich gemacht.
Am 6. Juni 1992 habe ich geheiratet.
Im Sommer 1993 wurde mein erster Sohn, Barnabas,
geboren.
Fortwährend schrieb ich an meinem dritten Buch.
Es hat den Titel ,,Brich durch die Glaswand hindurch!" Nach
einigem Hin und Her wurde dieses Buch Anfang November 1993 veröffentlicht
und alle Exemplare waren auf dem vorweihnachtlichen Buchmarkt
vergriffen.
Das Jahr 1994 war wieder ein Jahr voller Erfolge.
Die Bücher ,,HOPPARESIMI!" und ,,BRICH DURCH DIE GLASWAND
HINDURCH!" erschienen in zweiter Auflage.
Im März fanden drei Wochen lang mit einem Verkauf
verbundene Signierstunden an einem Verkehrsknotenpunkt in Budapest
statt. Im ersten Halbjahr besuchte ich dreiundzwanzig Städte
und Ortschaften im Rahmen der bereits erwähnten Autoren-Lesungen,
der ZZ-Tour, und ich bekam überall ungeteilten Beifall.
Vor kurzem erhielt ich die Nachricht, daß meine
Person und Auszüge aus meinem ersten Buch ab dem Schuljahr
1994 in den Lehrplan des Faches Ethik der 7. und 8. Klasse aller
Schularten aufgenommen wurden - eine herausragende Ehrung für
mich.
Der 29. Mai 1994 war ein wichtiger Tag in meinem
Leben: An diesem Tag wurde ich in die ungarische Sektion des PEN-Clubs
als Mitglied gewählt.
Zur Zeit wird ein Film-Porträt über mich
gedreht. Es soll bei einem internationalen Filmfestival gezeigt
werden.
Am 18. August 1996 wurde mein zweiter Sohn, Marton,
geboren.
Zur Zeit bin ich bei der Tageszeitung ,,Mai Nap"
(= "Der Tag heute") hauptberuflich als Journalist beschäftigt
und publiziere regelmäßig.
Budapest, im April 1999
Das Buch wurde und ist bis heute ein riesiger Erfolg
in Ungarn. Es erschien bereits in zweiter Auflage und diente sowohl
einem Theaterstück als auch einem Fernsehspiel als Vorlage.
Trotz vieler Versuche konnte es bisher in keiner
anderen Sprache veröffentlicht werden, da die eigenwillige
Ausdrucksform des Autors cine Übersetzung nahezu
unmöglich machte. Die dem Autor eigene
Art des Erzählens und seine Wortschöpfungen stellten
eine nicht zu überwindende Hürde dar.
Als das Buch "HOPPARESIMI!" 1987 in Ungarn
erschien, entwickelte es sich rasch zu einem Bestseller und war
innerhalb kürzester Zeit vergriffen.
Bei einem Verwandtenbesuch in Budapest im Sommer
1992 wurden dic Übersetzerinnen Gizella und Sandra Hemmer
auf dieses Buch aufmerksam und wollten es sogleich in deutscher
Sprache kaufen. Dabei erfuhren sie, daß es davon noch keine
deutsche Übersetzung gab. Doch noch bevor ihr Urlaub zu Ende
ging, wollte es das Schicksal, daß sie den Autor, Zoltan
Zemlenyi, persönlich kennenlernten. Von ihm erfuhren sie,
daß die namhaftesten Übersetzer versucht hatten,
sein Werk In verschiedene Sprachen zu übersetzen, jedoch
vergeblich; nach spätestens zwanzig Seiten waren sie
endgültig gescheitert. "Ich denke, mein Buch wird wohl
nie in einer anderen Sprache erscheinen!" - sagte Zoltan
zu ihnen.
Als sie das hörten, war es geradezu eine Herausforderung
für sie, einen Versuch zu wagen. Vielleicht wären sie
die ideale Kombination: Mutter und Tochter, die eine gebürtige
Ungarin, die Deutsch studiert hat, die andere gebürtige Deutsche
mit Ungarischkenntnissen.
Noch im Herbst 1992 begannen sie mit der Übersetzung
und haben seither sechs Jahre, neben Beruf
und Studium, jede freie Minute unablässig daran gearbeitet.
Es war wirklich nicht leicht. Zum einen ist es ohnehin
schwer, aus dem Ungarischen in eine andere Sprache zu übersetzen.
Das liegt u.a. daran, daß die ungarische Sprache etwa
dreimal so viele Wörter enthält wie die deutsche. Im
Deutschen werden die Begriffe häufig aus mehreren Wörtern
zusammengesetzt, im Ungarischen hingegen gibt es für sehr
vieles einen eigenen Ausdruck (Beispiel: die ältere Schwester
= növer, die jüngere Schwester = hug).
Zum anderen war es Zoltans Art zu schreiben, die
ihnen die Arbeit erschwerte, allem voran seine eigenwilligen Formulierungen.
Hinzu kamen seine Wortspiele und Wortschöpfungen. Schon der
Titel "HOPPARESIMI" ist bereits eine solche Wortschöpfung.
Aber gerade all das hatte ihm unzählige Preise und die Mitgliedschaft
im ungarischen PEN-Club eingebracht Seither ist er durch seine
Popularität in Ungarn in erster Linie unter seinem Kürzel
,,ZZ" bekannt.
Nach mühevoller Arbeit liegt nun die erste Ausgabe
seines Buches in einer Fremdsprache vor.
Außerdem führte die intensive Auseinandersetzung
sowohl mit der ungarischen als auch mit der deutschen Sprache
dazu, daß mehr als 300 Wörter in die nächste Ausgabe
des großen ,,Haläsz-Elöd"-Wönerbuchs
aufgenommen werden.
Da alle Bestrebungen, das Buch ins Englische, Französische,
Spanische und Portugiesische (in Süd-Amerika) zu übersetzen,
bis heute, 14 Jahre nach Erscheinen in ungarischer Sprache, erfolglos
geblieben sind, wird die deutschsprachige Übersetzung als
Vorlage für die Übersetzungen in weitere Fremdsprachen
dienen.
Die Übersetzerinnen:
GIZELLA und SANDRA HEMMER
Meine irdische Tätigkeit begann ich mit der
Code-Nr. 05.05.1970 in Budapest, wo ich seitdem auch lebe.
Intellektuelle Familie, ein Bruder. Absolut durchschnittlich.
Oder vielleicht doch nicht?
Ich war ein "erfolgreiches" Kind. Auch begabt: ich konnte gut zeichnen,
trieb Sport mit ausgezeichneten Resultaten, sang und spielte Schlagzeug
in einer Band. Meine Vielseitigkeit und meinen Perfektionismus
habe ich von meinem Vater geerbt. Dies fiel auch meinen Kameradcn
auf, und sie hörten auf das, was ich ihnen sagte. Man vertraute
mir. In früheren Jahren war ich der ,,Häuptling der
Indianer", der Boss der Bande, später der Kopf der Band.
Zoltan Zemlenyi