Forum über Hauskrankenpflege /
"Arbeit und Abrechnungen nachvollziehbarer
machen"
Yon Reiner Strack
BAD NAUHEIM. Mit einer detaillierten Dokumentation
ihrer Tätigkeiten und der Abrechnungspraxis sollen private
Pflegedienste ihre Arbeit nachvollziehbarer machen. Das forderten
jetzt die Teilnehmer eines Forums, zu dem die Landesarbeitsgemeinschaft
Hauskrankenpflege Hessen (LAH) nach Bad Nauheim eingeladen hatte.
Der 1995 gegründete Verband mit Sitz in Friedberg vertritt
nach Auskunft des Vorstandvorsitzenden Richard Graubert (unser
Herbert-Bild) die Interessen von derzeit 69 der insgesamt 500
Pflegeunternehmen in Hessen. Vertreter von etwa 60 Diensten diskutierten
über Möglichkeiten, wie Qualität und Glaubwürdigkeit
privater Pflege zu sichern sei.
Auslöser waren wiederholte Pressemeldungen,
wonach ambulante Pflegedienste in den Verdacht gerieten, zu ihren
Gunsten und zum Nachteil der Kassen Pflegeleistungen abgerechnet
zu haben. Bisher waren hauptsächlich Fälle in Norddeutschland,
Berlin und dem Rheinland bekannt geworden. Während der Tagung
wurde eingeräumt, daß es unter den Pflegediensten auch
schwarze Schafe gebe.
,,99 Prozent der bundesweit rund 11000 Pflegedienste
rechnen nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums jedoch korrekt
ab," beteuerte Erwin Dreweck von der in Düsseldorf ansässigen
Unternehmensberatung Visitas. Die hat sich auf die Beratung von
ambulanten Pflegeunternehmen spezialisiert.
Er forderte die Pflegeunternehmen auf, durch ,,aussagefähige
und möglichst präzise Beschreibungen ihre Pflegeleistungen
besser zu dokumentieren". Wer seine Leistungen und die darauf
aufbauende Abrechnung nachvollziehbar präsentieren könne,
halte leichter Kontrollen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen
(MDK) stand. Dieser kann jedoch nur auf Beschwerden von Kranken-
und Pflegekassen aktiv werden, weil für die Kontrollen in
Hessen nur zwei Pflegekräfte und zwei Ärzte zur Verfügung
stehen, berichtete Vera Buck, die leitende Pflegekraft beim MDK
in Hessen. Nach ihren Angaben ist dieses kleine Team für
die Überprüfung von 1000 ambulanten Pflegediensten und
weiteren 500 stationären Einrichtungen in Hessen verantwortlich.
Um ,,Irrtümer" bei den Pflegeunternehmen
zu verringern, forderte der Vorstandsvorsitzende der LAG, Richard
Graubert, vom Gesetzgeber ,,wesentlich einfachere Abrechnungsmodalitäten".
Seit der Einführung der Pflegeversicherung müßten
sich die Pflegeunternehmen und die Patienten bereits mit dem vierten
Abrechnungssystem beschäftigen. Graubert: ,,Pflegekräfte
müssen vor Ort pflegen können, ohne vorher in ein Handbuch
zu schauen". Er wünschte sich von den Kassen auch ,,leistungsgerechtere"
Entgelte, damit diese auch weiterhin Fachkräfte bezahlen
könnten.
Klarere Regeln für die Kostenübernahme
forderte Graubert zudem in jenen Fällen, in denen pflegebedürftige
Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden, es dann jedoch
einige Zeit dauere, bis die Kassen entschieden haben, in welchem
Umfang sie die Leistungen finanzieren. Das Kostenrisiko bis zur
Klärung wollen die Pflegedienste nicht mehr länger übernehmen.
Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland
wird derzeit auf 1,1 Millionen geschätzt. Davon werden rund
900000 Menschen von ihren Angehörigen gepflegt. Die verbleibenden
200000 Menschen werden in stationären Einrichtungen betreut
und von den ambulanten Pflegediensten.
FR 4.2.98