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Überblick: Disability Studies


Queering (Dis)abled Theories and Politics (* ) - Lesben und Behinderung

von Heike Raab

Einleitung

Selbst in Zeiten einer verstärkten Thematisierung der Differenz(en) zwischen Frauen sind Lesben mit Behinderung in der BRD ein üblicherweise wenig beachteter Diskussionsgegenstand. Auch der zunehmende Einfluss queertheoretischer bzw. (feministisch) poststrukturalistischer Ansätze vermag kein gegenteiliges Bild zu entwerfen. Lesben mit Handicap sind hierzulande immer noch ein wenig beachteter Personenkreis, nicht nur akademischer Denkzirkel. Krüppellesben als Akteurinnen der Frauen/Lesbenkultur und -politszene, in der Linken oder der Krüppelbewegung, werden im allgemeinen als randständige Figuren alternativer sozialer Bewegungen, als das Andere des Anderen wahrgenommen, bzw. häufig nicht einmal das. Kurz: Theorie und Praxis eines Lebens mit sichtbaren und unsichtbaren Behinderung(en) jenseits des hegemonialen sexuellen Mainstreams sind selten Ausgangspunkt, noch finden und fanden sie Einfluss in aktuelle, wie vergangene emanzipatorische Auseinandersetzungen im Feld des Politisch-Akademischen.

Im Gegensatz dazu ist vor allen in den USA seit einiger Zeit eine Diskussion zum Thema "Queer Disability" von TheoetikerInnen, AktivistInnen und in den Bewegungsmilieus zu verzeichnen (1) . Queere Theorien fechten dabei besonders die Unterscheidung in Hetero- und Homosexualität an. Der Schwerpunkt der Disability Studies liegt wiederum in der Hinterfragung der Klassifikation von Behindert/Nicht-Behindert. Gemeinsam ist beiden Ansätzen eine kulturalistisch-konstruktivistischen Perspektive und die Fokussierung auf Normen, Normalisierungsprozesse und Körper als Forschungsfelder. Gleichwohl sind gegenseitige Auslassungen und Ausblendungen zu verzeichnen. Anhand einer kritischen Diskussion des für die Disability Studies so wichtigen Denkers Michel Foucault und der Mitbegründerin der Queer Theory Judith Butler möchte ich jene Leer- und Bruchstellen, aber auch Gemeinsamkeiten und Schnittstellen diskutieren. Ziel dieser theoretischen Erörterungen ist der Versuch eine "Queer Disability" Betrachtungsweise für den BRD-Kontext zu entwickeln. Gleichzeitig beabsichtige ich damit eine sexualitätstheoretische Intervention in die deutschsprachige Disability Studies Debatte.

Das Normalitätsdispositiv

Der französische Wissenschaftshistoriker und Machttheoretiker Michel Foucault (1926-1984) gilt als einer der Theorieväter der Disability Studies. Insbesondere seine frühen historischen Studien zur Kritik an der Entstehungsgeschichte der modernen Medizin und deren Organisation von Körpern entlang der Norm pathologisch und nicht-pathologisch können als Vorläufer der aktuellen Disability Studies Debatte angesehen werden (2) . Auch in der bundesdeutschen Auseinandersetzung zum Thema Disability-Studies wird seit geraumer Zeit mit dem Foucaultschen Denkrahmen gearbeitet. Im wesentlichen handelt es sich um das Foucault`sche Modell des Normalitätsdispositivs, das Behinderung als historisch bedingtes Konstrukt einer kulturellen und epistemologischen Ordnung darstellt (3) . Das Normalitätsdispositiv entfaltet seine spezifische Wirkkraft im Kontext der modernen Normalisierungsgesellschaft (4) deren Melodie die permanente Normalisierung in Gestalt institutionalisierter und nicht institutionalisierter Normen ist. So schreibt der Autor: "Die Macht kann ihren Aufwand von früher aufgeben. Sie nimmt die hinterlistige, alltägliche Form der Norm an, so verbirgt sie sich als Macht und wird sich als Gesellschaft geben" (5) Auch die soziale und epistemische Organisation des Erkenntnisraumes Krankheit, so fährt er weiter fort, ist an die Norm gebunden (6) Der Maßstab auf der Landkarte der modernen Medizin heißt für ihn Normalität, sie bildet die Grundlage für die Vermessung und Ordnung des Körpers. Besteht die zentrale Funktionsweise des Medizinischen folglich in ihrer permanenten Bezugnahme auf Normen, so sieht er darin zugleich die zentrale Verschränkung mit den Mechanismen der Normalisierungsgesellschaft. Es lässt sich also sagen, medizinische Definitionen von Behinderung bzw. diskriminierende gesellschaftliche Alltagsnormen sind Praxen normalisierender Körpertechniken. Folglich sind sie als normalistische Organisationsweisen des sozialen Feldes zu verstehen. Kraft solcher Normen entwerfen Gesellschaften Regulierungsweisen für a-normale Körper um deren Status zu regeln. Gleichzeitig bringen diese Regeln jene Wesen erst hervor, disziplinieren sie und schränken deren Existenzweisen möglicherweise auf einen engen Spielraum ein. Zugleich muss sich die betroffene Person mit diesem "Spiel-"Raum arrangieren, sich einfügen und darauf einlassen um das eigene Überleben zu sichern. Dieser Prozess verläuft dabei gleichursprünglich als sozialer Erwerb und als diskursiv-normalistische Konstruktion (7) .

Genau hierin, so könnte man sagen, findet der alte Spruch aus der Behindertenbewegung, "behindert ist man nicht, behindert wird man" seine Alltagsrealität. Mit Foucault gesprochen heißt das: Behinderung findet innerhalb eines Normalitätsdispositivs statt, in dem bestimmte Körper als krank und andere als gesund organisiert werden (8) . Auf diese Weise werden chronisch kranke und behinderter Körper zu "marked bodies", die ausschließlich über eine negative Ontologie, in einer eigentümlichen Verschränkung von Medizin und Kultur, bestimmt werden. Bezugspunkt bleibt die allgemeine Norm, von der das A-Normale zu unterscheiden ist.

Positiv vermerkt, entnaturalisiert die Foucaultsche Lupe des Normalitätsdispositivs gewissermaßen die Natürlichkeit von Behinderung. Behinderung wird zum Produkt der Normalisierungsgesellschaft. Doch zielt das analytische Raster allein auf das Verhältnis Dominanzgesellschaft und subalterne Behinderte. Genau hierin liegt jedoch das Dilemma, denn die bislang vorherrschende Theoretisierung der Norm und ihrem Zwilling der Anormalität erfolgt allein in Richtung hegemoniale Ordnung und ihre produktivistischen Ausschlüsse. Die Ein- und Ausschlüsse von Krüppellesben beispielsweise in emanzipatorischen Protest- und Minderheitenbewegungen werden nicht angesprochen. Es entsteht einmal mehr der Eindruck Andersbefähigte, insbesondere Frauen und Lesben, sind entweder passiv und a-politisch, bzw. als politische AkteurInnen - im wahrsten Sinne - des Wortes undenkbar. Sind sie das aber nicht, wird das politische Umfeld behinderter Polit-Akteurinnen als grundsätzlich unproblematisch konzipiert. Motto: We are a family! Nicht thematisierbar, geschweige denn theoretisierbar, werden deswegen mögliche Produktionsmodi die subordinierte Körperverhältnisse, auch in frauenbewegten Räumen oder links-alternativen Spektren (9) , entstehen lassen. Das diffizile funktionieren des Normalitätsdispositivs in den Zonen angeblicher Emanzipation wird mehr oder weniger elegant nicht zur Kenntnis genommen. Ein deutliches Beispiel hierfür scheint mir die gegenwärtige Nicht-Existenz (eigenständiger) Disability-Subkulturen zu sein, die sich im Gegensatz zur Vielfältigkeit lesbischer, feministischer oder linker Subkulturen bis heute nicht hat entwickeln können.

......... und Heterosexualität

Ebenfalls völlig unterbelichtet bleibt in der auf Foucault bezogenen Strömung der Disability Studies das spezifische Verhältnis von Körpernormen, Heterosexualität, Geschlecht, und Behinderung. Wie weiter oben gesehen, konzipiert Foucault die Mechanismen der Normalitätsgesellschaft als für alle Beteiligten gleichverlaufend. Die unterschiedlichen dem Normalitätsdispositiv inhärenten asymmetrischen Stile und Systeme in denen Frauen, Männer, Homosexuelle und Behinderte ins Räderwerk der Norm geraten bzw. davon hervorgebracht werden, finden keine Erwähnung (10) . Im Unterschied zu dieser vorherrschenden Lesart in den Disability Studies kritisiert die Queer Theory das Denken von Zweigeschlechtlichkeit als Naturtatsache und die Aufteilung in Homo- und Heterosexualität (11) . Zudem scheinen queere Politikansätze wie "gender performance" und "body politics" strategisch-subversive Berührungspunkte für gewöhnlich auf körperliche Zustände rekurrierende Behinderungsdefinitionen zu bieten.

Doch der Reihe nach: Für Judith Butler, die im deutschsprachigen Raum am meisten rezipierte Theoretikerin der Queer Theory, konstituieren sich Körper im Rahmen einer heterosexuellen Matrix. In diesem Zusammenhang spricht sie vom Gesetz der heterosexuellen Kohärenz, das von einer Einheit von Körper, Geschlecht, Geschlechtsidentität und Sexualität ausgeht. Versteht man das Gesetz der heterosexuellen Kohärenz als normative Ordnung der sexuellen Differenz, d.h. als ein an Normen orientiertes geschlechtliches und sexuelles Regulierungsverfahren, verweist dies unmittelbar auf das Konzept des Normalitätsdispositiv im Sinne von Foucault. Denn die heterosexuelle Matrix bei Butler erfasst mehr als nur Zwangsheterosexualität. Heterosexualität versteht sie als Transmissionsriemen, der soziale, kulturelle und epistemische Normen über Körper, Geschlecht und Geschlechtsidentität vermittelt. Insofern versteht sie Heterosexualität auch als einen Zwang zum Mann-Sein bzw. Frau-Sein und infolgedessen als einen Zwang zur Zweigeschlechtlichkeit. Den Modus dieser normativen Ordnung der sexuellen Differenz versteht Butler als zwanghafte Zitationspraxis.

Für Butler liegt der Zwang der zitierenden Wiederholung in der ontologischen Bedeutung der Wiederholung (12) . Dies begründet sie damit, dass Prozesse der Wiederholbarkeit nicht außerhalb der geregelten und apodiktischen Ordnung der sexuellen Differenz funktionieren können (13) . Wir können um des kulturellen Überlebenswillens gar nicht anders, als innerhalb der kulturellen Zeichenpraxis in je spezifischer Weise Frau-Sein, Lesbisch-Sein etc. D.h. kulturelle Zeichen sind nicht beliebig wiederholbar sondern als Zitation von und Partizipation an gesellschaftlichen Bedeutungspraxen zu verstehen. Trotzdem ist dem Wiederholungszwang ein misslingendes und gelingendes Zitieren von Geschlechternormen eingeschrieben (14) . Dies geschieht deswegen, weil Butler das Zitieren von Geschlechternormen in ein paradoxes Verhältnis von Abhängigkeit und Verweigerung stellt. Für sie gibt es nur dynamische, hybride Wiederholungssituationen. Zitieren heißt in diesem Zusammenhang immer auch interpretierendes Tun. Genau darin verortet sie das Möglichkeitsfeld subvertierender Artikulationspraxen. Anknüpfend an diese Überlegungen sieht Butler im Spiel mit Geschlechterrollen und -normen, d.h. in einer Politik der Geschlechterverschiebung und -überschreitung, die Chance einer Desartikulation und Resignifikation der vorherrschenden normativen Ordnung der sexuellen Differenz. Butler rekurriert damit auf die in den lesbischen und schwulen Subkulturen vorzufindende Praxis des verschiebenden Zitierens von Geschlechternormen (15) . Diese Form des parodistischen Geschlechter-Aktivismus birgt für sie die Chance die heterosexuelle Matrix des Normalitätsdispositivs dekonstruieren zu können. Dieser subvertierende Griff nach Weiblichkeit und Männlichkeit, von ihr auch "Gender Performance" bzw. "Body Politics" genannt, erinnert einmal mehr an die verkörperlichten Effekte der Normalisierungsgesellschaft und an die Zumutungen einer normativen, d.h. heterosexuellen, Geschlechts-Verpflichtung. Trotzdem entrinnt der Queer Theoretikerin die Komplexität der Körperverhältnisse im Zusammenhang mit der heterosexuellen Matrix. Zwar konstituiert sich Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität durch die kulturelle und epistemische Organisation von Körper- und Geschlechtsnormen, wie Butler zurecht darlegt, jedoch ist gerade Frauen/Lesben mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen das Scheitern an der Geschlechtsnorm oftmals qua Behinderung schon eingeschrieben. Die Situation von Krüppellesben ist gewissermaßen von der Unmöglichkeit der Möglichkeit einer Zitation von Geschlecht und Sexualität gekennzeichnet. In Folge dessen wird das soziale Feld von eine Art verweigerten Geschlechtszugehörigkeit bzw. -identität strukturiert.

All jene die jemals Krankenhaus, Schule, Betreuungseinrichtungen und Familie etc. aus einer Behindertenperspektive kennen gelernt haben, wissen mit Sicherheit um die dort anzutreffenden entgeschlechtlichenden bzw. entsexualisierenden Körpertechnologien. Mit anderen Worten: Die normative Ordnung der Sexuellen Differenz funktioniert nicht nur entlang der Vektoren Körper, Geschlecht und Sexualität. Hier entgeht Butler in entscheidender Weise die spezifische Kritik an Körpernormen durch die Disability Studies. Als weiterer normenproduzierender Schauplatz ist auch der Bereich der Behinderung zu nennen. (Zwangs)Heterosexualität, so meine These, produziert und organisiert nicht nur Männlichkeit, Weiblichkeit und Homosexualität, sondern zugleich Formen von A-Sexualität und A-Geschlechtlichkeit - gleichwohl auf unterschiedliche Art und Weise: Behinderung fungiert als (Be)Drohung einer sexuellen und geschlechtlichen Seinsverfehlung die in der Topographie der ontologischen Ordnung des Sexuellen keinen Platz findet, während Homosexualität als phantasmatische Folie der hegemonialen sexuellen Ordnung auftritt.

Für behinderte Lesben ergibt sich hieraus eine widersprüchliche Situation. Einerseits fallen sie gemäß der Regulationsweise der heterosexuellen Matrix aus Butlers Konzept der subversiven Zitationspraxis heraus. Andererseits "verschieben" Krüppellesben genau jene Geschlechter- und Sexualitätsnormen die Butler als Gesetz der heterosexuellen Kohärenz bezeichnet und unterwandern damit tendenziell die heterosexuelle Matrix. Die Lösung dieses Dilemmas scheint mir im queeren Verständnis von Geschlecht selbst angelegt. Zielt die queere Dekonstruktion von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität letztlich auf eine Vervielfältigung von Geschlecht mit den Mitteln der "gender performance", so wird simultan auf den prozessoralen und konstruktivistischen Charakter von Körper, Geschlecht, Sexualität etc. verwiesen. Anstelle der queeren Fokussierung der Dekonstruktion von Geschlecht sollte deshalb auch eine stärkere Problematisierung der Konstruktion von Geschlecht erfolgen. Gemeint sind jene Prozesse der, besonders für Frauen/Lesben mit Handicap, verweigerten aber notwendigen Aneignung von Geschlecht die ebenfalls vielförmige Effekte in Richtung heterosexuelle Matrix entfalten könn(t)en. Gemäß dem Funktions- und Regulationsmodus der heterosexuellen Matrix, d.h. der medizinisch-kulturell erzwungenen Pflicht ein Geschlecht zu haben, könnte dies über den Weg eines strategischen Konfiszierens von Geschlechtlichkeit funktionieren. Mit dem Einschreiben andersbefähigter und andersfunktionierender Geschlechter, Körper und Sexualitäten in die hegemoniale Geschlechter-Agenda könnten auf diese Weise ebenfalls neuartige Schemata von Körpern, Sexualitäten und Geschlechtern etc. entstehen. Kurz: Queere Konzepte wie "body politics" oder "gender performance" müss(t)en sich das Spannungsfeld von Konstruktion und Dekonstruktion von Geschlecht mehr als bisher aneignen, um den unterschiedlichen Weisen des Sichtbar- und Unsichtbarmachens von Körper, Sexualität, Geschlecht und Geschlechtidentität, subversiv begegnen zu können. Nur so kann die heterosexuelle Matrix des Normalitätsdispositivs analysiert und kritisiert werden, ohne die konstitutive Wirkmächtigkeit von Behinderung abermals unsichtbar zu machen.

Queer meets Disability, Disability meets Queer

Wie dieser kleine Streifzug durch die Theorielandschaft zeigt, fokussieren Queer Theory und Disability Studies Unterscheidungsweisen von Körpern und die kulturellen, sozialen, politischen und wissenschaftlichen Konsequenzen die sich daraus ergeben. Bezieht sich die Queer Theory hierbei auf die kulturell ausgeschlossenen und verworfenen Körper sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, so sind das Forschungsfeld der Disability Studies die Variationen ausgeschlossener Körper, die gemeinhin in unserer Kultur als behindert bezeichnet werden. Dennoch haben - auch dies wurde deutlich - behinderte lesbische Frauen in beiden kritisch-emanzipatorischen Körpertheorien keinen systematischen Platz:

Tendenziell blenden die "Disability Studies" die Verwobenheit von Körpernormen, Zwangsheterosexualität und Behinderung aus. Umgekehrt "verschleiert" die Queer Theory, trotz vorhandener Kritik an Körper- und Geschlechternormen, den klammheimlichen normativen Bezug zum kohärenten Körper, im Sinne eines "gesunden" Körpers. In beiden Perspektiven kommen somit letztlich Lesben mit Handicap weder als aktive Akteurinnen in Gesellschaft, Szene und Politik noch als Grundlage kritischer Theoriebildung vor. Das Erkenntnispotential und das Forschungsfeld von Queer Disability (Studies) verorte ich dementsprechend genau an den Schnittstellen dieser Ausblendungen. D.h. im Zentrum queerer (dis)abled Theorien und Praxen sollte die Bedeutung gesellschaftlicher Sexualitätsverhältnisse und deren Verschränkung mit der Organisation, Produktion und Regulation von Behinderung stehen. Eine Queer Disability Betrachtungsweise hätte also zur Aufgabe die gegenseitige Bedingtheit von "compulsory able-bodiedness" und "compulsary heterosexuality", wie Robert McRuer (16) schreibt, zu beachten, und ausgehend davon, diejenigen Prozesse des Normalitätsdispositiv zu erforschen in denen Körper zu devianten, pathologischen und nicht-normativen Körpern gemacht werden. Auf erkenntnistheoretischer Ebene verweist dies auf ein interdisziplinäres Zusammendenken von Homophobie und Behindertenfeindlichkeit. In der politische Praxis wird mit dieser Denkart eine neuartige Bündnispolitik zwischen "der" Behindertenbewegung und "der" Lesben- und Schwulenbewegung angestrebt.

* Überarbeiteter Vortrag gehalten auf der "Sommeruni 2003 - Disability Studies in Deutschland. Behinderung neu Denken!" Universität Bremen vom 18.Juli bis 1. August 2003; http://www.sommeruni2003.de
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1.) Die erste Konferenz zum Thema "Queer Disability" fand vom 2. - 3. Juni 2002 in San Fransisco statt. Siehe dazu: http://www.disabilityhistory.org/dwa/queer/fundraising.htm vom 26.8.2003. Seit Ende der Neunziger gibt es zudem im englisch-sprachigem Bereich auch explizite Schwerpunkt-Literatur: Dawn Atkins, Cathy Marston, Queer and Dis/abled. Special Issue: Journal of Gay, Lesbian an Bisexual Identity, Volume 4, Issue 1, January 1999; Robert McRuer, Abby Wilkerson (ed.), Desiring Disability - Queer Theory meets Disability Studies.Special Issue of LGQ: A Journal of Lesbian and Gay Studies on queer theory and disability studies; Volume 9; numbers 1- 2; November 2002 zurück zum Text
2.) Vgl. Michel Foucault, Die Geburt der Klinik, Frankfurt 1993 ( Erstveröffentlichung: 1963); . ders., Wahnsinn und Gesellschaft, Frankfurt 1993 (Erstveröffentlichung 1961); ders., Sexualität und Wahrheit, Frankfurt 1991(Erstveröffentlichung 1976)zurück zum Text
3.) Vgl. dazu: Ulrike Schildmann, Was ist normal? Normalität - Behinderung - Geschlecht, S. 13 - 25, in: Sylvia Groth, Eva Rasky (Hg.) Frauengesundheiten, Innsbruck 1999; Diess. (Hrsg.) Normalität, Behinderung und Geschlecht. Ansätze und Perspektiven der Forschung, Opladen 2001; Werner Sohn, Herbert Mehrtens (Hg.) Normalität und Abweichung. Studien zur Theorie und Geschichte der Normalisierungsgesellschaft, Opladen 1999; Anja Tervooren, Disability Studies in Deutschland - Kritik an der Normalität, in: Das Parlament, Seite 5, 22./29. Juli 2002; Anne Waldtschmidt, Flexible Normalisierung oder stabile Ausgrenzug: Veränderungen im Verhältnis Behinderung und Normalität, in: Soziale Problem Heft 1/2, 1998zurück zum Text
4.) Vgl. Michel Foucault, Mikrophysik der Macht, Berlin 1976 , S. 84zurück zum Text
5.) Vgl. Michel Foucault, a.a.O., S. 123zurück zum Text
6 .) Vgl. Michel Foucault, Die Geburt der Klinik, Frankfurt, a.a.O., S. 53zurück zum Text
7 .) Vgl. Sylvia Groth, Eva Rasky (Hg.), Frauengesundheiten, Innsbruck, Wien 1999, S. 18zurück zum Text
8 .) Vgl. Michel Foucault, Wahnsinn und Gesellschaft, a.a.O.; ders., Sexualität und Wahrheit, a.a.O.zurück zum Text
9.) Trotz dieser vorgenommen Gleichsetzung soll nicht die Schieflage zwischen Frauen/Lesben-Räumen und gemischtgeschlechtlichen, d.h. zumeist von Männer dominierten, Räumen verschwiegen werden. Die begrifflich hergestellte Gleichheit bezieht sich hier ausdrücklich NICHT auf eine vermeintliche "real"-politische Gleichheit.zurück zum Text
10.) Ausführlicher dazu siehe: Heike Raab, Foucault und der feministische Poststrukturalismus, Dortmund 1998zurück zum Text
11.) Annamarie Jagose, Queer Theory - Eine Einführung, Berlin 2001 zurück zum Text
12.) Vgl. Judith Butler, Imitation und die Aufsässigkeit der Geschlechtsidentität, S. 15-38, in: Sabine Hark (Hg.), Grenzen lesbischer Identität, Berlin 1996zurück zum Text
13.) Vgl., Judith Butler, Körper von Gewicht, Berlin 1995zurück zum Text
14.) Vgl., Judith Butler, a.a.O., S. 306zurück zum Text
15.) Gemeint sind damit Drag Kings, Butch-Femme Praxen, Tunten und Transgender, aber auch Transvestiten und Transsexuelle. zurück zum Text
16.) Robert McRuer, Abby Wilkerson (ed.), Desiring Disability - Queer Theory meets Disability Studies, a.a.O zurück zum Text

Literaturliste

- Dawn Atkins, Cathy Marston, Queer and Dis/abled. Special Issue: Journal of Gay, Lesbian and Bisexual Identity, Volume 4, Issue 1, January 1999
- Judith Butler, Imitation und die Aufsässigkeit der Geschlechtsidentität, S. 15-38, in: Sabine Hark (Hg.), Grenzen lesbischer Identität, Berlin 1996
- Judith Butler, Körper von Gewicht, Berlin 1995
- Michel Foucault, Mikrophysik der Macht, Berlin 1976
- Michel Foucault, Die Geburt der Klinik, Frankfurt 1993
- Michel Foucault, Wahnsinn und Gesellschaft, Frankfurt 1993
- Michel Foucault, Sexualität und Wahrheit, Frankfurt 1991
- Sylvia Groth, Eva Rasky (Hg.) Frauengesundheiten, Innsbruck 1999
- Annamarie Jagose, Queer Theory - Eine Einführung, Berlin 2001
- Robert McRuer, Abby Wilkerson (ed.), Desiring Disability - Queer Theory meets Disability Studies.Special Issue of LGQ: A Journal of Lesbian and Gay Studies on queer theory and disability studies; Volume 9; numbers 1- 2; November 2002
- Heike Raab, Foucault und der feministische Poststrukturalismus, Dortmund 1998
- Ulrike Schildmann, Was ist normal? Normalität - Behinderung - Geschlecht, S. 13 - 25, in: Sylvia Groth, Eva Rasky (Hg.) Frauengesundheiten, Innsbruck 1999
- Ulrike Schildmann (Hrsg.), Normalität, Behinderung und Geschlecht. Ansätze und Perspektiven der Forschung, Opladen 2001
- Werner Sohn, Herbert Mehrtens (Hg.) Normalität und Abweichung. Studien zur Theorie und Geschichte der Normalisierungsgesellschaft, Opladen 1999
- Anja Tervooren, Disability Studies in Deutschland - Kritik an der Normalität, in: Das Parlament, Seite 5, 22./29. Juli 2002
- Anne Waldtschmidt, Flexible Normalisierung oder stabile Ausgrenzung: Veränderungen im Verhältnis Behinderung und Normalität, in: Soziale Probleme Heft 1/2, 1998


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