Netzwerke behinderter Frauen

Auf der Tagung wurde die Gründung eines Netzwerkes behinderter Frauen Dresden/Sachsen angeregt und der Gründungsgedanke von den behinderten Frauen mit allgemeiner Zustimmung bestärkt.

Die Gründung eines solchen Netzwerkes in Sachsen muß von den behinderten Frauen selbst erfolgen. Die Gleichstellungsstelle bzw. das Frauenprojekt ,, Henriette Heber" können hier lediglich Denkanstöße geben oder den Aufbau organisatorisch unterstützen. Ein solches Vorgehen begründet sich aus dem Selbstvertretungsanspruch der behinderten Frauen.

Ein Netzwerk behinderter Frauen ist ein parteienunabhängiges Gremium und ein offener Zusammenschluß von Frauen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Ziel des Netzwerkes ist es, behinderte Frauen auf einer gemeinsamen Ebene zusammenzuführen. Ein Netzwerk stellt eine Interessenvertretung behinderter Frauen gegenüber der Politik, der Verwaltung und anderen Institutionen dar. Diese Stellen (auch die professionell tätigen Frauen in Beratungs- bzw. Geschäftsstellen) sollten gegebenenfalls durch Frauen mit Behinderungen besetzt sein.

Aufgaben und Ziele:

Beratung und Begleitung einzelner Frauen mit Behinderung

- Gründung behindertenkundiger Beratungsstellen zu Fragen der Gynäkologie, Sexualität, Mutterschaft,

- Gründung einer angeleiteten Selbsthilfegruppe von Frauen die sexuelle, psychische oder andere Gewalt erfahren haben (schon die Tatsache allein, daß eine autonome, von Einrichtungen, Institutionen und Verbänden unabhängige und angeleitete Selbsthilfegruppe tätig ist,

- wo sich die Frauen mit ihren Erfahrungen auseinandersetzen können, wo sie sprechen und gehört werden können,

- von erfahrenen Psychologen Rat bekommen,

- wenn notwendig juristische Begleitung erhalten, unterstützt wesentlich die Prävention und den Schutz vor struktureller, psychischer, physischer und sexueller Gewalt).

Arbeitsgruppe Publikationsarbeit

- Sammeln von Fakten, Berichten und Informationen zur Erstellung von Gegenwartsanalysen zur besonderen Situation behinderter Frauen (z. B. aktuelle Studien über die materielle Situation behinderter Frauen, Studie über Arbeitsausfälle behinderter Arbeitnehmerinnen zwecks Abbau von Vorurteilen bei Arbeitgebern, Analyse zu Möglichkeiten der Schaffung von behindertengerechten Arbeitsplätzen (z. B. hinsichtlich ergometrischer Gestaltung des Arbeitsumfeldes). An der Technischen Universität Dresden, Fachrichtung Psychologie wurde z. B. eine Diplomarbeit zum Thema ,,Qualitative Untersuchungen zur Lebens- und Arbeitssituation behinderter Mitarbeiter der TU D" im Rahmen des Projektes ,,Behindertengerechte TU Dresden" mit Einzelfallbeurteilung und Arbeitsplatzeinschätzung durchgeführt. Von solchen Untersuchungen sollten zumindest ausgleichsabgabenpflichtige Arbeitgeber, die besonders hohe Bußgelder abführen, erfaßt werden. Es könnte bewiesen werden, daß oftmals mit geringeren Kosten als erwartet, behindertengerechte Arbeitsplätze geschaffen und Vorurteile abgebaut werden können. Eine solche Studie könnte zur besseren Erfüllung der Pflichtquote nach dem Schwerbehindertengesetz beitragen.

- Information der Öffentlichkeit durch Publikationen und Aktionen zu Bedürfnissen, Benachteiligungen und Problemen von Frauen mit Beeinträchtigungen.

Koordinierung von Aktivitäten und Knüpfung von Kontakten (z.B. Gruppe behinderter Schreibfrauen oder eine Gruppe behinderter Buchhalterinnen, die bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, welche wegen zu geringem Arbeitsanfall keine Festeinstellung vornehmen wollen oder können, auf Honorarbasis Aufträge übernehmen oder zeitweilig z. B. auch als Urlaubsvertretung übernehmen). Im Rahmen eines Netzwerkes können sich die Gruppen zielstrebig zu einer sicheren und zuverlässigen Adresse profilieren, an die sich Auftraggeber wenden.

Schaffung einer Börse von Leistungsprofilen und -angeboten für Arbeitgeber, Durchführung von Präsentationen für und auch bei potentiellen Arbeitgebern unter dem Motto: ,,Solche Leistungen bieten wir an, so arbeiten wir".

Das Netzwerk erarbeitet Konzepte und Programme gegen die Benachteiligung behinderter Frauen, setzt sich ein für die Schaffung rechtlicher Grundlagen zu ihrer Gleichstellung.

Die Gleichstellungsstelle/Frauenbüro bzw. das Projekt Henriette Heber" verfügt über Material zu Konzept, Struktur, Stellenbesetzung und -ausstattung bereits funktionierender Netzwerke behinderter Frauen in Deutschland.