Behinderte Frauen

Studie soll helfen, Hindernisse abzubauen

WIESBADEN. Behinderte Frauen haben spezielle Bedürfnisse und Probleme, die Kommunen Interessenvertretungen aber auch die Öffentlichkeit berücksichtigen sollten. Dies ergab eine vom Frauenreferat in Auftrag gegebene, bundesweit einmalige Studie, die die Lebenssituation weiblicher Behinderter untersuchte. Befragt wurden Wiesbadenerinnen zwischen 18 und 30 Jahren mit einem Behinderungsgrad von 50 und mehr Prozent. 42 Prozent der Zielgruppe - insgesamt 162 Frauen - beteiligten sich, darunter auch geistig Behinderte.

Die Studie ergab unter anderem, dass die Mehrzahl der Frauen die Beratungsangebote der Behindertenverbände oder Selbsthilfegruppen wenig nutzt oder nicht kennt. Grund: Mangelnde Information und Zweifel am Nutzen der Angebote. Gewünscht wurden mehr spezielle Projekte.

Die Möglichkeit am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sehen insbesondere körperlich behinderte Frauen durch die Unzugänglichkeit der Räumlichkeiten begrenzt. Als weiteren Hindernisgrund, in die Öffentlichkeit zu gehen, gaben die Frauen unter anderem Angst vor Belästigung und Diskriminierung an. 39 Prozent der Befragten hat in dieser Hinsicht bereits schlechte Erfahrungen gemacht und wünscht sich bessere Aufklärung. Geklagt wurde auch über nicht behindertengerechte Wohnungen, mangelhafte Aufklärung seitens der Sozialämter, ungerechte Einstufungen in er Pflegeversicherung, zu wenig Kontakt zu Gleichaltrigen und Nichtbehinderten oder zu wenig Freizeitmöglichkeiten für behinderte Frauen.

Was die finanzielle Situation betrifft, so ergab die Studie, dass jede Zweite auf zusätzliche Zahlungen angewiesen ist, bei jeder Dritten das monatliche Einkommen unter 1000 Mark liegt, obwohl 63 Prozent der Frauen eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Trotz der miserablen ökonomischen Situation stuften knapp 40 Prozent ihr Selbstvertrauen als gut bis sehr gut ein. Dabei ziehen sie ihr Selbstbewusstsein weniger aus einer bestehenden Erwerbstätigkeit als aus einer funktionierenden intimen Beziehung. Die Mehrzahl der befragten jungen Frauen ist zwar ledig, 68 Prozent aber haben oder hatten schon sexuelle Beziehungen.

Die Ergebnisse der 20000 Mark teuren Studie sind Basis für zwei Arbeitskreise:

,,Hindernisse können jetzt abgebaut werden, da endlich gesicherte Daten vorliegen", freut sich die Frauenbeauftragte Margot Brunner.(sab)

FR 3.9.99