Behinderte Frauen melden sich zu Wort
Repräsentative Studie zeigt Bedürfnisse
auf
- Die Landeshauptstadt soll für behinderte
Frauen lebenswerter weiden. Der Magistrat beschloss, zwei Arbeitsgruppen
mit Mitarbeitern der verschiedenen städtischen Ämter
zu gründen, um Defizite zu beseitigen. Federführend
ist dabei das Frauenreferat. Diesen Beschluss teilte Oberbürgermeister
Hildebrand Diehl gestern mit
Hintergrund des Beschlusses ist die jetzt fertiggestellte
5tudie ,,Der etwas andere Alltag - eine repräsentative Untersuchung
zur Lebenssituation junger Frauen mit Behinderung in Wiesbaden".
In dieser gestern von Dagmar Stuckmann, Referentin im Frauenreferat,
vorgestellten Untersuchung, fragten vom Frauenreferat beauftragte
Mitarbeiterinnen des "Frankfurter Institus für Frauenforschung"
die Situation behinderter Frauen in Wiesbaden ab. Dabei erkannten
sie zahlreiche Mängel, vom Wohnraum über fehlende Informationen
und Hilfsangebote, über mangelhafte Mobilität, Diskriminierung
in der Öffentlichkeit, bis hin zu der Situation auf dem Arbeitsmarkt.
So haben nach der Studie 63 Prozent der Frauen eine Berufsausbildung
abgeschlossen. Sieben Prozent davon besäßen einen Fachhochschul-
oder Hochschulabschluss. Depigegenüber hätten nur
46,3 Prozent einen Arbeitsplatz.
Die Antworten vermittelten aber auch das Bild einer
,,selbstbewussten Generation von Frauen mit Behinderung in ihren
verschiedenen Lebensformen, die ihre Vorstellungen und Wünsche
deutlich artikuliert und Kritik an vorgegebenen Strukturen und
Angeboten vorträgt".
Für die Untersuchung befragten die Forscherinnen
außer den in Wiesbaden angesiedelten Behinderten-Verbänden,
genau 390 Frauen mit einer Behinderung, egal ob geistig oder körperlich,
von mindestens 50 Prozent im Alter von 18 bis 30 Jahren. Diese
Altersgruppe sei ausgewählt worden, erläuterte Stuckmann,
da es die Phase der Ablösung vom Elternhaus und der ,,Berufsfindung"
sei. 162 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück. Insgesamt
leben nach der Studie in Wiesbaden genau 18049 Frauen mit einer
schweren Behinderung. Das sind 6,7 Prozent der Einwohner.
Die 135 Seiten umfassende Studie ist zu beziehen
beim Frauenreferat der Landeshauptstadt Wiesbaden im Rathaus.
Wiesbadener Tagblatt, 4.8.99